Ehre, was bedeutet dieses überhaupt?

  • Begriffsgeschichtlich steht das Wort „Ehre“ in der Antike und früh germanischen Zeit im Einklang mit der eigenen „Lebensbedeutung“ und bedurfte der Mindestanforderung der Tapferkeit, um solche zu haben. Im 16. Jahrhundert ändert sich die Begriffsbedeutung zu Ehre als Anerkennung der eigenen, äußerlichen Macht, die ihrerseits nur durch ein Duell oder einen Krieg wiederhergestellt werden kann. In der heutigen Zeit spaltete sich der Begriff zu „Ehrgefühl“ gegenüber eigenen Werten und dem „Verantwortungsgefühl“ gegenüber den Werten anderer auf.

    Betrachte ich im Allgemeinen die heutige Zeit, so empfinde ich „Ehre“ - als positive Eigenschaft - als stark unterpräsentiert. Überall findet sich eine Mentalität wieder, in der die Menschen feierlich davon sprechen, wie hervorragend es doch sei, anderen Menschen weder in großen, noch in kleinen Dingen Achtung und Respekt entgegen zu bringen. Mehr noch wird die Abkehr von Gemeinschaftssinn, Treue und Loyalität als modernes Ideal gefeiert.

    Gerade dieses finde ich in der Philosophie von Gor als vollkommen anders wieder. Hier hat man längst erkannt, dass der Teufel im Detail zu finden ist oder anders ausgedrückt es auf die kleinen Dinge ankommt, die getan werden müssen, da sie es sind, die sich auch auf das Große auswirken.

    „I had a respect for caste honor. Honor was honor, in small things as well as great. Indeed, how can one practice honor in great things, if not in small things?“ Rogue of Gor  p.231

    Die Frage die wir uns also stellen müssen kann nur lauten, wie wir auch den kleinen Dingen im Leben die ihnen angemessene Bedeutung geben können und ob wir dieses vor allem wollen.

    So wie der Goreaner jeder Kaste, somit auch jedem Beruf und jedem freien Menschen seinen Respekt zollt legt er damit die Grundlage für ein gutes Miteinander. Gerade in Gesellschaften in denen man für sein Wort - z.B. mit der blanken Klinge - einstehen muss, gehen die Menschen viel gesitteter und rücksichtsvoller miteinander um.

    Ich erinnere mich an dieser Stelle an meine aktive Zeit als Burschenschafter, in der das geflügelte Wort galt „Nur wo Blut [zwischen den Beteiligten] geflossen ist, kann wahre Freundschaft herrschen!“ Für manchen mag dieser Satz erschreckend anmuten. Doch wer seine Ansichten, sein Sein ja und auch seine Gemeinschaft einmal nicht nur mit Worten, sondern mit vollem Risiko für die eigene Gesundheit verteidigt hat, weiß das man sich hierdurch - selbst wenn man unterliegt - nicht nur lebendig fühlt, sondern damit zeigt, auch dann hinter seinen eigenen Aussagen und Taten zu stehen, wenn es nicht bequem und ungefährlich, sondern eben auch wenn es gefährlich und herausfordernd ist. Andererseits werden aber jene, die bereit sind ihre Ehre zu verteidigen, auch weitaus höher geschätzt als jene, die sich ängstlich in einem Mauseloch verkriechen und nur dann herauskommen wenn es ungefährlich ist, um laut ihre Stimme zu erheben.

    „When Goreans get the idea that honor is involved they suddenly become quite difficult to deal with.“ Magicians of Gor  p.400

    Lautstark etwas von sich zu geben, vor allem ohne dafür Konsequenzen tragen zu müssen, ist auf alle Fälle nichts wofür sich der Ehrenhafte einsetzen würde. Vielmehr zeugt es von ehrenhaftem Verhalten ruhig und überlegt an alles heranzugehen.

    So sei hier als Beispiel genannt, sein Wort leichtfertig für etwas zu geben. Es ist immer besser „Nein“ zu sagen, als letztlich für etwas einstehen zu müssen, was man selbst gar nicht recht wollte.

    Ein jeder von uns sollte in sich gehen, um zu erkennen wie er selbst seinen eigenen Handlungen und Worten mehr Ehre beimessen kann.

    „The men of Gor, our masters, tend to take honor very seriously.“ Witness of Gor  p.408

    Bleibt für die Freien unter uns also die Frage, nehmen wir Ehre auch so ernst, dass wir im Angesicht der Ehrvorstellung Gor bestehen können?

    Doch wie sieht es bei den Unfreien aus? Hat eine Sklavin Ehre oder gereicht ihr irgendetwas zur Ehre?

    Durchaus! Die Ehre einer Sklavin erwächst aus dem Dienst, den sie für ihren Herrn absolviert. Es ist einerseits eine Ehre, von einem Herrn als Sklavin erwählt zu werden und ihm dienen zu dürfen.

    „Thank you,“ he said.
    „You do not thank her,“ I informed him. „It is a great honor and privilege for a slave to be permitted to serve her master. Too, it is what she is for.“ Swordsmen of Gor  p.61

    Andererseits generell einem Herrn dienen zu dürfen!

    „It is a great honor for me, Master," she said, „that one such as you should select Beverly to serve you." Rogue of Gor  p.200

    Ist es am Freien, nach seinem Kodex zu leben, voller Stolz und Tapferkeit für seine Ideale und die seiner Gemeinschaft, seines Heimsteins einzustehen, so ist es auch an der Sklavin für das einzustehen was sie verkörpert, nämlich hingebungsvoll und aufopfernd zu den Füßen ihres Eigentümers kniend zu dienen.

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