Liebe?

  • Liebe ... Eigentlich mag ich dieses Wort nicht. Es ist so ... ungreifbar und nebulös wie das Wort Gott. Wenn sich etwas derart dem Begreifen entzieht, sollte man es nur umschreiben, ihm aber keinen Namen und kein Bild geben...

     

    "Mach dir kein Bild (...)" Für dieses Gebot habe ich das Judentum geliebt... Heist es nicht auch: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe ist, der ist in Gott und Gott ist in ihm..." Wenn ich es also umschreibend das Höchste, Erstrebenswerteste, das Gute, das Ziel, den wahren Sinn, das Allumfassende, das Erbarmende, das Athman, das Tao, den Weg, die Wahrheit und das Leben nenne ... ... so versucht jeder das Unfassbare mit einem Tuch zu umhüllen und denkt sich seinen ganz persönlichen Inhalt hinein. 

     

    WievielStreit ist darum schon entflammt, wieviele Völker haben sich darum bekriegt, wieviele Christusse wurden schon gekreuzigt, wieviele Joan d`Arc s verbrannt ... . . . 

     

    Doch wenn der Atem immer schwerer wird, wenn die Gewissheit das Bewusstsein erfüllt, dass bald schon mein Gehirn Narzissendünger sein wird, dann steigt eine Ahnung dessen auf, was wirklich gemeint ist: Wenn nichts von mir bleibt, wenn alle meine Erinnerungen zerfallen werden, wenn die Erinnerung an mich verweht und es so sein wird, als habe ich nie gelebt ... ... und es sei mir vergönnt, das EINE Sache bleibt, eine Sache aus meinem Leben... ... dann soll es die Erfahrung von Wärme, von Liebevoller Zuwendung, von Verständnis und Geborgenheit sein, die zurückbleibt; dann wird mich der Wunsch beseelen, dass diese Welt ein kleines Stück mehr Licht erhellt, dass Trauernde die Erfahrung von Tröstung machen, das Einsame Geborgenheit erfahren, das Kinder ohne Ängste aufwachsen, das Hungernde satt werden, Frierende Wärme erfahren ... ... 

     

    Dannwird mich nur der Wunsch beseelen, dass etwas von der kostbaren Kraft übrig bleibt, die in meinem Leben das Leiden gemindert und das Glück vermehrt hat ... .. und dann verstehe ich auch als Nichtchrist die Worte des Franziskus von Assisi: "Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens ... " Ja, wenn ich einmal sterbe, heute, morgen, in zehn, in dreißig Jahren, dann möchte ich mit der Gewissheit Abschied nehmen, dass etwas von meiner Herzenswärme in anderen Herzen zurück bleibt und sich vermehrt, dass das Glück mehr und das Leiden weniger werden soll... Dann könnte ich loslassen und verwehen...

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